Das Kreuz mit der Sicherheit
12. April 2004Es war ein spektakulärer Fund, den Ermittler im norditalienischen Cremona machten: Ein Video von El Kaida, auf dem die Zerstörung Roms angekündigt wird. Der italienischen Zeitschrift "Panorama" zufolge heißt es darin: "Rom ist das Kreuz, und der Westen ist das Kreuz. Die Römer sind die Herren des Kreuzes und das Ziel der Muslime". Mit Anschlägen sei schon bald zu rechnen: "Derjenige, der Rom zerstören wird, bereitet schon die Schwerter vor", heißt es auf dem Band.
Gesehen haben das Video zwar lediglich Terrorfahnder und die Redakteure von "Panorama". Doch in Rom überraschen die Aussagen kaum jemanden. Nicht erst seit Italien an der Seite der USA im Irak kämpft, sieht man sich als potenzielles Terrorziel. Vor allem jetzt, zur Osterzeit, fürchten sich die Italiener vor Anschlägen. Das hat auch mit der Magie der Zahlen zu tun: Ostersonntag fällt auf einen "Elften". Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York sowie dem 11. März 2004 in Madrid herrscht jetzt Angst vor einem möglichen "11. April 2004" in Rom.
Nichts Genaues weiß man nicht
Konkrete Terrorwarnungen liegen indes nicht vor. Fast schon hilflos klingt die Analyse des italienischen Innenministers Guiseppe Pisanu: "Der internationale Terrorismus islamischer Prägung ist eine vielschichtige und wenig vorhersehbare Bedrohung". Und so rüsten sich die italienischen Sicherheitskräfte gegen einen unsichtbaren Feind. 12.000 Polizisten und Carabinieri schützen Kirchen, Sehenswürdigkeiten und öffentliche Orte in ganz Italien. Zusätzlich bewachen 4000 Soldaten die Infrastruktur des Landes: öffentliche Verkehrsmittel, Wasserversorgung, Kommunikationseinrichtungen sowie Stützpunkte des italienischen Militärs und der Nato.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Vatikan. Zehntausende Pilger werden auf dem Petersplatz erwartet, wenn der Papst am Ostersonntag seinen Segen "Urbi et orbi" spricht. Die Besucher müssen Sicherheitsschleusen mit Metalldetektoren passieren und sich von Polizisten in die Handtaschen schauen lassen. Als Pilger getarnte Zivilfahnder machen das österliche Sicherheitspaket komplett.
Kugelsichere Weste für den Papst
Nach Informationen der römischen Zeitung "La Repubblica" warnte sogar der amerikanische Geheimdienst CIA vor Anschlägen in der Stadt. Der heilige Vater solle sich mit einer kugelsicheren Weste schützen, raten die Agenten. Doch das lehnt der Papst ab. Im Vatikan sieht man die Situation gelassen: "Es gibt absolut keinen Anlass zur Unruhe", erklärte ein Sprecher. Der Papst sehe sich nicht als Ziel von Terroristen, schließlich habe er immer eine klare Position für den Frieden bezogen. Davon werde er auch dieses Jahr nicht abrücken, sondern erneut seine Stimme erheben: gegen Krieg, gegen Terror, aber auch gegen Unterdrückung und Ausbeutung auf dieser Welt.