Südafrikas Staatschef mahnt zur Ruhe
28. August 2020Südafrikas Staatschef Cyril Ramaphosa appellierte an die Bewohner, ihre Wut nicht in Taten ausufern zu lassen, die die Situation noch verschlimmerten. Er rief die Bürger in einer Erklärung auf, mit den Behörden zusammenzuarbeiten, um Gerechtigkeit walten zu lassen. Zugleich kündigte Ramaphosa eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls an.
Der 16-jährige Nathaniel Julius war am Mittwochabend in Eldorado Park erschossen worden, einem durch Drogen und Kriminalität heruntergekommenen Township. Familienmitglieder machen die Polizei verantwortlich für den Tod des Jungen, der das Downsyndrom hatte. Der Teenager habe vor seinem Haus gestanden und Kekse gegessen, als er erschossen wurde, weil er nicht in der Lage war, richtig zu kommunizieren, so die Angehörigen.
Die Polizei dagegen erklärte in örtlichen Medien, sie sei sich nicht sicher, wer den Abzug betätigt habe, und behauptet, Nathaniel Julius sei bei einer Schießerei zwischen Polizei und Bandenmitgliedern ins Kreuzfeuer geraten.
Der Vorfall löste schwere Unruhen aus. Hunderte von Anwohnern gingen auf die Straße und prangerten den Vorfall an. Die Polizei feuerte Tränengas, Gummigeschosse und Blendgranaten ab, um die Demonstranten zu vertreiben, die mit Steinen warfen und eine Polizeiwache angriffen.
Der Familie des Jugendlichen sprach Staatschef Ramaphosa sein Beileid aus und sagte, der Teenager sei "seiner Zukunft beraubt" worden. "Meine Gedanken und Gebete sind bei der Familie und den Nachbarn von Nathaniel, dessen tragischer Tod Ärger und Unruhe in einer Gemeinde ausgelöst hat, die Besseres verdient", so Ramaphosa.
Die Schießerei erregte auch die Aufmerksamkeit der US-Musikerin und Schwester von Beyonce, Solange Knowles, die den Namen des Teenagers in einen Tweet aufnahm, der sich auch auf Breonna Taylor bezog, ein afroamerikanisches Opfer von Polizeigewalt in den USA. "Ruhe in Frieden, junger Nathaniel Julius. Wir kämpfen immer noch für Dich Breonna. Es gibt eine solche Grenze für diese Worte, aber wir werden Dich nie vergessen. Was ist Gerechtigkeit bei all diesem Verlust und Schmerz", schrieb Knowles.
uh/AR (dpa, afp)